„Flensburg muss pestizidfrei werden!“

Selbstverpflichtungen und kommunale Öffentlichkeitsarbeit

Flensburg soll eine pestizidfreie Stadt werden. Eine entsprechende Initiative hat die
SPD-Ratsfraktion jetzt auf den Weg gebracht. „Dabei geht es“, so der
Fraktionsvorsitzende Helmut Trost, „sowohl um Flächen im Besitz der Stadt
Flensburg als auch ihrer Beteiligungen. Unser Ziel: Die Stadt Flensburg verpflichtet
sich, auf allen kommunalen Flächen grundsätzlich keine chemisch-synthetischen
Pestizide (Pflanzenschutzmittel) einzusetzen. Außerdem soll die Stadt eine
Kampagne starten, damit Einwohnerinnen und Einwohner sowie Unternehmen
ebenfalls auf die Chemiekeule verzichten.“
„Das Ziel soll durch Selbstverpflichtungen und kommunale Öffentlichkeitsarbeit
erreicht werden“, erläutert Justus Klebe, der als Juso und Ratskandidat den Vorstoß
in die SPD-Fraktion einbrachte: „Bei einer Verpachtung von kommunalen Flächen ist
das Verbot des Einsatzes von Pestiziden im Pachtvertrag zu verankern.
Unternehmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung sollen verbindlich zur
pestizidfreien Bewirtschaftung ihrer Flächen aufgefordert werden.“
In vielen Städten werden Pestizide eingesetzt, um Wege in Parks, Sport- und
Spielplätze, Grünanlagen oder Straßenränder frei von unerwünschten Kräutern und
Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen. Auf Flensburger
Flächen, die das TBZ bewirtschaftet, erfolgt der Einsatz von Pestiziden nur noch in
absoluten Ausnahmefällen, vor allem zur Bekämpfung von Bärenklau. Diese richtige
Praxis soll dauerhaft festgeschrieben werden und für alle städtischen Flächen und
auch für städtische Beteiligungen gelten.
Außerdem wird die Verwaltung im SPD-Antrag aufgefordert, bienen- und
insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte auf geeigneten Flächen (z.B.
Ausgleichsflächen, Brachflächen) zu initiieren und dem Ausschuss für Umwelt,
Planung und Stadtentwicklung im Laufe des Jahres 2018 darüber zu berichten.
„Kommunen können Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz
übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen. Auch für

die menschliche Gesundheit, die Lebensqualität und den Tourismus ist der
Pestizidverzicht ein Gewinn“, fassen Helmut Trost und Justus Klebe zusammen:
„Bundesweit sind über 50 Städte ganz und teilweise pestizidfrei. Mögliche
Maßnahmen sind vielfältig. Alternativen zur Chemie sind vielfältige mechanische und
thermische Verfahren. Besonders wichtig ist uns dabei die Kommunikation mit den
Einwohnerinnen und Einwohnern, um die notwendige Akzeptanz zu schaffen.“
Die SPD wünscht sich, dass die Öffentlichkeit durch die zuständigen
Fachabteilungen der Verwaltung und des TBZ über die Bedeutung von Biodiversität
in der Stadt informiert wird. In Verbindung damit sollen Möglichkeiten zum Schutz
von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Möglichkeiten beim
Gärtnern aufgezeigt werden. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sollen
Einwohnerinnen und Einwohner sowie Unternehmen überzeugt und motiviert
werden, die in ihrem Besitz oder ihrer Verwaltung befindlichen Flächen ebenfalls
ohne Pestizideinsatz zu pflegen und zu bewirtschaften.

Hintergrund: Der Antrag der SPD zur pestizidfreien Stadt Flensburg ist im
Ratsinformationssystem unter der Vorlagennummer HA-2/2018 zu finden.
Viele Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen
oder eine hormonelle Wirkung zu haben. Auf öffentlich zugänglichen Flächen wie
beispielsweise Sport- und Spielplätzen können die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit
Einwohnerinnen und Einwohnern kommen. Insbesondere für Kinder und
Schwangere ist dies eine Gefahr.
Für viele Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum sind Pestizide ein
Verhängnis. Denn nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten werden
beseitigt, sondern auch Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse.
Entweder töten und schädigen Pestizide Insekten oder Wildkräuter direkt oder sie
dezimieren ihren Lebensraum und ihre Nahrung.
Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der
Artenvielfalt. Über 40.000 Tonnen belasten jährlich in Deutschland die Umwelt. Das
Ziel den Verlust von Arten zu stoppen, kann mit dem aktuellen Pestizideinsatz nicht
erreicht werden.