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Träumereien für übermorgen sind keine Lösung für heute

„Chancen des vorhandenen Bahnhofs nutzen und die Strecke ertüchtigen!“

Zur aktuellen Diskussion um die Bahnhofssituation in Flensburg erklärt der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Helmut Trost:

„Es ist unlauter, wenn eine Ratsfraktion wie die FDP, die vor Ort in der Sache  unterlegen ist, versucht ihre Ansichten auf Parteischiene und auf ministeriellem Weg durchzusetzen. Landesminister Buchholz (FDP)  macht sich zum Erfüllungsgehilfen und gibt dem Bundesverkehrsminister die Vorlage, die dieser dann aufnimmt.

Wie soll man eine Bahn davon überzeugen, in den Flensburger Bahnhof und den Streckenausbau zu investieren, wenn der Bahnhofsstandort alle paar Jahre wieder in Frage gestellt wird? Mit einem solchen Vorgehen hintertreibt man nicht nur den Ratsbeschluss, sondern handelt gegen die Interessen der Bahnreisenden. Diese wollen keinen „Wolkenkuckucksbahnhof“ in Weiche, sondern einen gut ausgebauten Flensburger Bahnhof und  eine schnelle, störungsfreie Schienenstrecke in Richtung Süden. Jahrzehntelanges Warten auf einen neuen Fernbahnhof hilft keinem Reisenden. Was Not tut,  ist eine zuverlässige Verbindung jetzt und heute. Gerade angesichts der nahezu täglichen Staus auf der A 7 ist das auch eine große Chance, Verkehrsteilnehmer zum Umstieg vom Auto auf die Schiene zu bewegen. Das ist die verkehrspolitische Herausforderung für heute. Träumereien für übermorgen sind keine Lösung.

Der Flensburger Bahnhof rückt durch die auf den Weg gebrachten Veränderungen in der Stadtentwicklung planerisch und praktisch noch näher an die Stadt heran. Dieser Weg muss weiter gegangen werden. Es ist ein Privileg, um das uns viele Städte beneiden,  dass wir einen Bahnhof  nur zehn Fußminuten von der Fußgängerzone entfernt haben. Die vorhandene Bahninfrastruktur muss gestärkt und ausgebaut werden.

Der erträumte und bei weitem nicht finanzierte Fernbahnhof in Weiche mag den aus Dänemark nach Hamburg Reisenden nutzen, weil Fahrzeit für die Schleife in die Innenstadt eingespart wird. Doch gleichzeitig bedeutet dies, dass die Innenstadt vom Fernverkehr abgehängt wird. Das ist nicht im Interesse unserer Stadt. Und die zweite Phantasie, ein zusätzlicher weiterer Bahnhof mit der Station Johannisviertel/ZOB, ist nicht realistisch und bedroht dies wertvolle  Innenstadtquartier.

Auch verkehrstechnisch ist der Gedanke, alle Fernreisenden aus der Stadt zum Umsteigen (oder Einsteigen) in Weiche zu zwingen, falsch. Denn jeder Bruch einer Logistikkette mindert deren Attraktivität. 

Die vorhandenen Stärken nutzen, den vorhandenen Bahnhof und sein Umfeld attraktiv machen – das sind die aktuellen Herausforderungen. Und die Streckenertüchtigung in Richtung Süden, damit die Fahrzeiten endlich gegenüber dem  Dampflokzeitalter deutlich verkürzt und die Zuverlässigkeit der Verbindungen drastisch erhöht wird.“